Nyxie

Kein Fleisch

Jubiläen und (Halb-)Jahrestage bieten sich an, um noch einmal Vergangenes durchzukauen. Ich esse nun seit über sechs Monaten kein Fleisch mehr und habe aktuell nicht das Bedürfnis, wieder damit anzufangen. Aufgehört habe ich anfang April, ganz unspektakulär: In den Kühlschrank geschaut, Schinken gesehen und spontan entschieden, ab jetzt immer lieber zum Käse zu greifen. Dabei blieb es dann auch; Fleisch, Fisch, Gummikram wurden durch Gemüsebratlinge, Grünkernschrot, Erdnussbutter ersetzt.

Ich hatte immer gedacht, es sei super schwer kein Fleisch zu sich zu nehmen. Dass man schon bald wirklich Lust auf ein Steak oder so bekommen würde, aber auf diese Reaktion warte ich immer noch. Stattdessen freue ich mich regelmäßig daran, dass ich dadurch zu so geilem Scheiß wie Grünkern-Cevapcici gefunden habe. Oder Gemüsebrotaufstrich!

Es klingt wohl etwas paradox, aber ich habe inzwischen das Gefühl mehr Auswahl zu haben, vermutlich regt die Einschränkung einfach die Kreativität an. Klar, das alles könnte ich haben und gleichzeitig Fleisch konsumieren, will ich aber nicht. Ich mochte es nie, Fleisch zuzubereiten und fand es, verzeiht, immer ein wenig eklig. Sehnen und Knorpel, Fettränder. Das machte mir keinen Spaß, war unangenehm, was ich dann persönlich etwas verwerflich finde. Man muss ja nicht unbedingt seine Nahrung selbst erlegen, aber das Verarbeiten von einem bereits angenehmen Punkt aus sollte doch leichter fallen.

Vor kurzem aß ich mein erstes vegetarische Schnitzel auf Milchbasis. Eher unfreiwillig, ich hatte eines mit Gemüsefüllung erwartet und demnach war das wirklich seltsam. Sah aus wie ein Schnitzel, roch fast wie eines und auch die Konsistenz erinnerte stark daran. Ich benötigte an Überwindung um es zu probieren und es war gar nicht mal so cool. Ich vermisse das nicht, kann gut darauf verzichten, selbst auf die Milchversion die ja eigentlich okay wäre.

Natürlich finde ich es gut, wenn man kein Fleisch isst, deswegen muss ich aber nicht gleich andere missionieren. Eine Freundin war vor Kurzem ganz überrascht, dass ich mich vegetarisch ernähre — hat sie halt einfach nicht mitbekommen. Hört sich jetzt vielleicht selbstgefällig an, wobei ich eben versuche so zu handeln, wie ich es für richtig halte. Vegetarisch leben, das cool finden, es akzeptieren wenn jemand Fleisch essen mag und es keinem madig reden.

Ein halbes Jahr ist schon ein Zeitraum in der man herausfinden kann, wie gut man mit etwas klar kommt und  ist dennoch nicht wirklich lange. Im Moment kann ich mir weder vorstellen, weshalb ich wieder damit anfangen sollte, noch dass ich nie nie wieder Fleisch zu mir nehme. Das wird dann eben die Zukunft zeigen.

  1. Luise —  23. September 2012

    Vegetarier zu sein ist heutzutage doch auch nur noch eine Trenderscheinung. Traurig zu sehen, dass sich keiner mehr aus wirklicher Überzeugung dazu entscheidet oder wichtigere Gründe anbringt, wie z.B. das Entgegenwirken der Massentierhaltung. Weil es “eklig” ist, ist bei Weitem kein triftiger Grund in meinen Augen, tut mir Leid.

  2. lisa —  23. September 2012

    Ich bin mittlerweile seit fast zehn Jahren Vegetarierin und hatte damals, mit 12,13 Jahren, stark mit Vorurteilen in meinem Freundeskreis und in meiner Familie zu kämpfen. Alle meinten, ich würde das nicht durchziehen, das sei nur eine Phase. Anfangs hab ich das auch gedacht, es war mehr so ein “schaff ich das wirklich?”-Ding. Mit der Zeit habe ich mich aber immer mehr mit dem Thema auseinandergesetzt u2 Comments
    nd bin dabei geblieben – weniger aus Ekelgründen, als aus Abscheu vor Gewalt und Ausbeutung. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Ich denke nicht, dass es nur eine Trenderscheinung ist, dass es immer mehr Vegetarier gibt. Ich bin in den letzten zehn Jahren auf wachsende Toleranz und vor allem auf wachsendes Interesse für das Thema Nachhaltigkeit, Herkunft von Produkten und auch ethisches Hinterfragen derselben gestoßen. Das freut mich natürlich sehr und ich hoffe, dass das anhält. Aber es ist eben über einen längeren Zeitraum passiert und deshalb nicht bloß ein Trend. Wenn es heute “schick” ist, Vegetarier zu sein, dann freut mich das schlicht und einfach nur. :-)

  3. simon —  24. September 2012

    scheiz wegetarier