Nyxie

Introvert Lamp

Beton, Messing, Linoleum

Foundation, Kids. Beste Sache für manche (mich) und inzwischen auch schon wieder vorbei. Weil über Foundation an sich schreiben viel zu lang dauer werden würde komme ich lieber gleich zum Schluss: Mein Abschlussprojekt!

Für das letzte Drittel mussten wir uns selbst ein Thema auswählen und festlegen welche Aspekte wir erforschen wollen. Ich wählte “Human Bodies” und als Hauptleitsatz  war in etwa: “Design directly inspired by the human body in order to provoke reflection upon the human-product relationship.” Ich machte viel primäre Recherche, filmte mich beim Tanzen und zeichnete davon Diagramme, goß meine Finger in Gips um sie zu zerschlagen und neu zusammen zu setzen, interviewte Ballerinas und erörterte meine Gefühle gegenüber Geodreiecken und Wandlampen.

Den “Durchbruch” in meinem Projekt erlangte ich aber erst als ich anfing mich mehr damit beschäftigte, welche menschlichen Verhaltensweisen besonders ungewöhnlich wirken, wenn sie von einem Objekt nachgeahmt werden. Ich legte mich dann recht schnell auf das Benötigen von “Alleinzeit” fest, weil es für mich persönlich sehr wichtig ist. Was machen Menschen wenn die Einflüsse der Umgebung zu viel werden? Wenn menschliche Interaktion nicht gewünscht ist?

Von diesen Fragen stammt das Konzept einer Leuchte bei der das Leuchtmittel selbstständig verschwindet, vielleicht durch einen zufälligen Timer, nach einer gewissen Anzahl an Stunden oder dem Tagesrhythmus angepasst. Nach vielen langweiligen Entwürfen die eine hübsche Ästhetik anstrebten kam ich auf die Idee die Eigenart den Kopf auf verschränkte Arme zu legen um Ruhe und Rast zu erlangen aufzugreifen und zu abstrahieren. Massive und perfekt für die Glühbirne geformte Betonwände zum Schutz der fragilen Glühbirne (LED, übrigens) ahmen die Arme nach, die den Kopf sonst vor der Umwelt schützen.

Während des Projekts musste ich aus Zeitgründen leider Abstriche machen, so war ich zum Beispiel nicht in der Lage die Lampe selbstbewegend zu machen und der Kippschalter den ich benutzen wollte, damit die Lampe wenn sie in ihrer Ruheposition aus geht, war auch nicht drin. Entscheidungen die mir erst einmal gar nicht gefielen aber nötig waren, um sicherzustellen dass mein finales Produkt auch handwerklich gut ist.

Ein paar meiner Papiermodelle in unterschiedlichen Phasen des Projekts. Man sieht recht deutlich wie sich das finale Design schon früh abzeichnet und eher wenig verändert. Ich persönlich arbeite viel besser in 3D als durch Zeichnen weshalb furchtbare Pappmodelle sehr wichtig in meinem Arbeitsprozess sind.

Mein Betonbaby kurz nachdem ich die Form entfernte. Die Ränder schon deutlich heller da trockener und die extrem glatte Oberfläche ist auch schon sichtbar. Ich benutzte handelsüblichen Zement und Sand aber eine ungewöhnliche Mischung von 1:1, was einen sehr harten und sehr brüchigen Beton ergibt. Aufgrund von Zeitdruck liess ich den Beton nur etwa 24h einwirken (Beton härtet durch Hydration und muss für am besten mindestens drei, vier Tage feucht gehalten werden um seine volle Härte zu erreichen).  Das Finish wurde super glatt, so dass es sogar leicht spiegelt was etwas seltsam ist und auch meine Tutoren etwas irritiert zurückließ. Ein weiterer Faktor dafür war jedenfalls auch dass ich meine Form vakuumformte.

Dinge die dir beibringen wie wichtig gute Planung ist: Einen Tag damit verbringen Löcher in Beton zu bohren. Es dauert für immer, du zerstörst mehrere Bits und du bist konstant besorgt dass der Beton plötzlich einen massiven Riss bekommt. Ich gehe da jetzt lieber nicht ins Detail. Jedenfalls musste das Metallgestell zurechtgebogen und geschweißt werden, die Abdeckungen für das klaffende Loch auf beiden Seiten der Lampe gesägt, poliert und angeklebt werden (epoxy glue is a girl’s best friend).

Ursprünglich war der Plan, die Messingstange im inneren der Lampe so zu verbiegen, dass sie wenn man die Glühbirne nach außen dreht an den Beton stößt und so die Bewegung einschränkt und so das Fallen der Lampe verhindert. Aus mehreren Gründen gestaltete sich das deutlich schwerer als erhofft und ich musste mit einer externen Befestigung aufkommen. Meine Lösung war mehr gebogene Messingstange, mehr Bohren und mehr Epoxykleber. Glühbirne und Halterung sitzen auf der kleinen Stange und es leitet zusätzlich auch noch das Kabel.

Und das war es dann auch fast schon. Als grober Überblick jedenfalls. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit meinem Objekt, hauptsächlich weil die Inspiration nicht von einer gewissen Ästhetik, oder visuellen Einflüssen stammt sondern von einem Konzept, einer Idee die sich dann in einem Produkt manifestiert.

Für mich geht es im September dann mit dem Product Design BA weiter, auch am Central Saint Martins und ich freue mich sehr.

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