Nyxie

Buskerud und Hordaland

Die Strecke von Oslo nach Bergen ist mit knapp 500km ein bisschen länger, weshalb wir in einer winzigen Stadt, von der ich bereits den Namen vergessen habe, noch einen Zwischenstop einlegten. Die kleine Holzhütte verfügte über alles was man so braucht inklusive Fjordblick. Wirklich schön, mir hat es diese Hüttenromantik ziemlich angetan und generell war ich sehr froh nach den ganzen Großstädten auch noch die Natur Norwegens kennenzulernen.

Oslo Analog

Den Großteil unserer Reise schliefen wir in Jugendherbergen, wir hatten vor mehr bei Couchsurfinghosts zu schlafen, aber das ist zu dritt nicht ganz so einfach. Während es in keinem Youth Hostel schlecht war, hatten wir in Oslo richtig Glück. Zeitgleich zu unserem Aufenthalt fand das Øya Festival statt und unsere Zimmermitbewohner waren deshalb selbst aus Norwegen.
Neben braunem Käse (norwegische Spezialität und SO gut) auf Knäckebrot und Wein bekamen wir sogar einen Schlafplatz in Bergen angeboten. Top Timing, denn für die letzte größere Stadt hatten wir noch keine Unterkunft.

Bilder wie das oberste machen mich ziemlich froh über die Entscheidung die Rollei gekauft zu haben – wenn es hell genug ist und ich sie mal richtig einstelle, macht sie einfach so schön scharfe Fotos.

Oslo

Von Oslo hat man bereits hier und hier Bilder gesehen und es kommen auch noch analoge, farbige. Keine Ahnung, wieso ich scheinbar größtenteils Essensbilder machte, aber falls jemand mal zur richtigen Zeit in der Stadt sein sollte, dann empfehle ich definitiv den Bondens Marked mit diesen fantastischen Pannekake – für 30NOK darf man so viel Rhabarber-/Johannisbeerkompott und Sahne darauf packen, wie man möchte.

Die Buffettsache wurde mit Vega fortgeführt, das einen starken Kantinencharakter und geilen Kartoffelgratin hatte. Da Nora mir zum Geburtstag einen Gutschein fürs Vitao schenkte, wird die Vegi-Buffett-Liebe hoffentlich auch in Zukunft erhalten bleiben. Top!

Lost Blondes

Auf dem Weg von Oslo nach Bergen kommt man irgendwann durch dieses wunderschöne, karge Hochland, das ein bisschen etwas von Island hat. Die Bilder entstanden dann ganz spontan in fünf Minuten (es war bitterkalt) und ich mag sie ziemlich gern, auch wenn mich meine Bearbeitung partout nicht zufrieden stellen will .

Bitte drauf klicken, in so klein wirken sie nicht recht.

Monat Eins

Ich bin nun seit genau einem Monat in London, was auf mich gleichzeitig ziemlich kurz und lang wirkt. Normal fühlt es sich jedenfalls beinahe seit dem ersten Tag an. In diesem anderen Haus zu wohnen, ein anderes Zimmer als meinen Rückzugsort zu haben und nachts in einem anderen Bett zu schlafen. Die ersten Tage hatte ich noch ein seltsames Gefühl, wenn ich auf der Piccadilly Line fuhr und genau wusste, dass ich diesmal nicht ganz bald bis ans andere Ende, nach Heathrow fahren werde, aber das verlor sich schnell.

Vermutlich habe ich mich also schon ziemlich gut eingelebt, in meinem Viertel verlaufe ich mich trotz meines miserablen Orientierungssinns nicht mehr und die Nachtbusse (N29!) habe ich auch schon schätzen gelernt. Auch das Arbeiten gefällt mir, dass ich morgens von sieben bis neun arbeite zwingt mich aufzustehen, wodurch ich theoretisch viel, viel Zeit in der Mittagspause hätte, um London zu erkunden. Momentan lege ich mich zwar meist erst nochmal schlafen, aber zumindest gehe ich nun auch noch ins Fitnessstudio.

Richtig Glück hatte ich auch schon. Den kompletten September lang findet das iTunes Festival statt und ich gewann tatsächlich Tickets für Jake Bugg. Vermutlich das erste Mal, dass ich etwas Richtiges gewann.  Das Konzert war dann auch sehr schön, das Roundhouse als Location großartig und es fühlte sich etwas abgefahren an bei diesem Event dabei zu sein, für das hier überall penetrant Werbung gemacht wird und an dem man nur durch Glück teilnehmen kann.

Meine Kamera nahm ich zwar ziemlich oft mit, bisher kam dabei aber nicht allzu viel herum. Deshalb auch diese eklige Mischung aus digitalen Farb- und Schwarzweißbildern und analogen Fotos. Vielleicht inspiriert mich Night Contact am Freitag (yeah, Geburtstag!) etwas. Dort arbeite ich freiwillig mit, worauf ich mich irgendwie so sehr freue, dass es meine Erwartungen wohl gar nicht erfüllen kann.

Sommer

Jahrelang habe ich innerlich ein bisschen “den” Sommer gejagt, den Sommer der irgendwann mein eigenes Bild meiner Jugend prägen würde. Eine Reihe an warmen, abenteuerreichen Monaten, eine zähe, schöne Ewigkeit mit Freunden, der man am Ende eher ein Gefühl als Fakten zuschreiben kann. Vom Herbst aus zurückblickend war es immer eine gute Zeit, aber auch leicht ernüchternd, weil das Leben auch bei Hitze nicht nur aus Mit-Freunden-zum-See-fahren und seltsamen Hauspartys besteht.

Rational gesehen ist es wohl etwas idiotisch, sich so etwas zu erhoffen und auch auszumalen. Nicht nur, weil Dinge die man sich ausmalt meiner Erfahrung nach nie so geschehen, sondern weil es ja gegen das Konzept eines absolut spontanen und sorglosen Zeitraums spricht. Machen, nicht Denken.

Tatsächlich fand dieser Sommer größtenteils unter dieser Devise statt – nicht dass ich währenddessen groß darüber nachgedacht hätte. Nach dem Abitur war ich mehr irgendwo als daheim, stets mit einer Liste vor Augen von Dingen die noch anstehen. Immer in Erwartung, was wohl als nächstes kommen würde. Ich plante kaum etwas durch und liess mich, teilweise auf die Organisationswut meiner Freunde setzend, eher treiben und konnte doch aufgrund von ständig auf mich prasselnde Reize und Eindrücke nicht in einem melancholisch bis apathischen Sommerloch versacken. Vielleicht war dieser Sommer auch zu vollgepackt, ich bemerkte hin und wieder, dass ich das hier und jetzt kaum realisieren oder wertschätzen konnte. Oft fühlte sich die Situation und ich als Person nicht als zwangsläufige Verbindung, sondern als Zufall an.

Wie ich das nun werten soll, weiß ich nicht. War das jetzt “der” Sommer, wo ich doch so spontan und sorglos war? Wo ich mich nie nach mehr gesehnt habe oder hat da eine gute Portion an Herumlungern in der Heimatstadt gefehlt, mit Gesichtern die man schon hundert Mal vor sich hatte und an denen man sich nie satt sah? Wohl nicht, mein Leben ist kein Coming of Age-Roman. Die letzten Monate waren toll, sie waren abenteuerreich und voller kleiner, schöner Dinge, rasant und zeitweise atemlos.

Operahuset

Ich freue mich jeden Tag darüber in London zu sein, überraschenderweise werde ich dennoch etwas wehmütig, wenn ich mir die Bilder von Oslo ansehe. Oslo war meine liebste Stadt unserer Skandinavienrundreise, ich fühlte mich einfach von Anfang an sehr, sehr wohl dort und das blieb auch den Rest unseres Aufenthalts so.

Die Schößchenhose von Monki wurde noch in Kopenhagen gekauft und dann ausgesprochen oft getragen – das Teil ist richtig bequem und schnell angezogen ist man auch.

Skandinavien S/W

Nachteil, wenn man mit verschiedenen Kameras fotografiert: Am Ende hat man einen Haufen Material und keinen Blassen, wie man ihn ordnen soll. Analog, digital, farbig, schwarzweiß, chronologisch.

Ich bin inzwischen schon seit ein paar Tagen wieder in London und fühle mich pudelwohl. Das Wetter ist toll, London ist London und meine zwei Mädchen sind lovely und anstrengend.

Sommer am Fluss

Vor etwa sechs Wochen, bevor die ganze Reiserei anfing. 

Vorgestern bin ich, früher als geplant, daheim angekommen und sofort startete diese Phase, auf die ich gar keine Lust hatte. Die Pre-London-Phase, oder so, mit Verabschiedungen, mit vielem Kram, der organisiert werden will und mit packen, während ich keine Ahnung habe, wie man für ein komplettes Jahr packt. Ich wollte nicht Heim kommen, wollte nicht meinem Bruder tschüss sagen, auf unbestimmte Zeit und ganz gewiss nicht meine letzten 1,5 Wochen hier damit verbringen, mir den Kopf zu zerbrechen, was ich noch tun muss.

Während Verabschiedungen unausweichlich sind, bin ich nun nicht im Ansatz genervt davon, früher zurückgekommen zu sein. Ich finde es sogar ein kleines bisschen gut und bin verdammt froh, das hier alles meine Heimat nennen zu können. Mit meinem Rad fuhr ich durch diese bekannten Straßen, die noch nass vom Regen waren traf dann in der einen Stunde, in der ich in der Stadt war, zufällig vier Freunde. Einfach so, zwischen den Fachwerkhäusern die schon immer dort standen und irgendwelchen Läden, die neu öffneten während ich weg war.

Ich würde nicht sagen, dass ich generell anders fühle, als vor einem Jahr, sondern dass ich eben in Anbetracht meiner baldigen Abreise (27. August, yo!) schon jetzt meine Heimat ganz gut genießen kann, was sich wirklich, wirklich gut anfühlt.